Ausgewählte Publikationen von Prof. Dr. Asghari

Auch im Internet fest im Sattel - die Bedeutung des Web 2.0 für den Pferdesport

Von Prof. Dr. Reza Asghari und Dipl.-Wirtschaftsjur. (FH) Marcus Becks

Vor genau 20 Jahren stellte ein Forscher in Genf ein System vor, mit dem er sich auf einfache Art und Weise weltweit mit Kollegen austauschen wollte – das World Wide Web war geboren. Ein System mit dem sich in seinen Grundzügen unverändert bis heute Informationen digital darstellen und vernetzen lassen und welches mit dem Kürzel „www“ zum Synonym für das Internet wurde. In nicht einmal einem Vierteljahrhundert hat sich dabei dieses Medium vom Informationsdienst weniger Eingeweihter zum Mittelpunkt der Kommunikation für die Mehrheit unserer Bevölkerung etabliert. Heute nutzen 2 Milliarden Menschen weltweit dieses Medium. Allein in Deutschland sind 50 Millionen Menschen und damit gut Dreiviertel unserer Bevölkerung online. Das Internet hat längst bei den Jugendlichen in Deutschland Radio, Fernsehen und Zeitungen als Leitmedium abgelöst. Neue Technologien, mobile Endgeräte und immer schnellere Internetverbindungen beschleunigen diese rasante Entwicklung.

Von Informationsangeboten zum Mitmach-Netz
Ob wir wollen, oder nicht - wir sind heute alle Teil der Informationsgesellschaft, denn in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen werden der Abruf und die Verarbeitung von weltweit vernetzten Informationen über das Internet immer wichtiger. Dabei hat sich auch die Rolle der Surfer ebenso bedeutend geändert. Waren wir früher nahezu reine Informationskonsumenten, gestalten wir heute aktiv die Inhalte des Internets durch öffentliche Diskussionen in sozialen Netzwerken, das beantworten von Fragen, den Upload von Texten, Bildern und Videos, durch das Verfassen von Produktempfehlungen bis hin zum Betrieb des eigenen Weblogs entscheidend mit. Das Internet ist damit zu einem durch die Benutzer selbst gestalteten Mitmach-Netz geworden, welches durch die Mitwirkung vieler lebt. Ein amerikanischer Informatiker und Publizist umschrieb diese Wahrnehmung eines sich veränderten sozialen Gefüges bereits im Jahre 2004 als „Web 2.0“ - angelehnt an die technische Bezeichnung für neue Softwareversionen.

Dadurch dass die Benutzer aktiv am Erstellen und Bearbeiten von Inhalten mitwirken, stehen diese im Mittelpunkt des Handelns, arbeiten gemeinsam an Inhalten und tauschen sich darüber aus. Web 2.0 ist kein statischer Festzustand einer Anwendung. Es handelt sich auch nicht um eine neue Software. Es ist die Beschreibung einer dynamischen Entwicklung der Internetwelt, in der die Beziehungen und Prozesse zwischen Unternehmen, Kunden, Behörden und Bürgern in vielschichtiger Weise beeinflusst und verändert werden. Nie zuvor haben die Menschen die Möglichkeit gehabt, so über geografische Grenzen hinweg kommunikative Netzwerke aufzubauen. Das Internet stellt nicht nur ein Netzwerk dar, sondern auch eine Kommunikationsbasis, auf der viele Webanwendungen laufen und individuell angepasst werden können. Im Vordergrund steht im Web 2.0 nicht mehr der Verkauf einer Software, sondern die daraus entstandene Dienstleistung.

Web 2.0 und Unternehmen
Längst nutzen viele Unternehmen Youtube, um Videoclips und Anleitungen für eigene Produkte zu veröffentlichen. Sie treten in den direkten Dialog mit den Kunden mittels sozialer Netzwerke wie Facebook oder MeinVZ und sammeln wertvolle Informationen zu Zufriedenheit und Wünschen der Kunden über Bewertungsportale wie „Ciao“ oder „Qype“. Eine Wikipedia kann dabei helfen wissen im Unternehmen zu strukturieren und stetig aktuell zu halten und mittels Twitter können Unternehmen eigene Pressemitteilungen und Unternehmensinformationen nahezu in Echtzeit bekannt geben und sich gleichzeitig über das eigene Netzwerk ebenso kurzfristig auf dem laufenden halten. Kundenbindung und Verfestigung von Kundenbeziehungen bekommen somit im Kontext von Web 2.0 eine neue Dimension, begründet in sinkenden Markteintrittsbarrieren.

Ökonomisch betrachtet, ist das Web 2.0 somit geprägt von Globalisierung, geringen Transaktionskosten, der Beschleunigung von Arbeitsabläufen und durch Selbstbedienungskonzepte für und von Kunden. Der Mehrwert der Anwendung nimmt mit der Zunahme der Besucher und der registrierten Nutzer zu und die Kernfrage für den Einsatz von Web 2.0 ist: Inwiefern werden sich die Nutzer aktiv beteiligen?

Die meisten Dienste lassen sich für jedermann kostenfrei nutzen – noch nie in der Geschichte des Marketings war es einfacher, günstiger und damit auch demokratischer möglich weltweit das eigene Unternehmen bekannt zu machen und zu vermarkten. Es bietet sich die Möglichkeit, bei geringen finanziellen und technologischen Investitionen in Märkte einzutreten und sich Chancen durch die strategische Internetnutzung zu eröffnen. Zum einen wird dadurch eine Senkung der Organisationskosten möglich, zum anderen können geographische Distanzen mühelos überbrückt werden. Wer z.B. den Dienst „Google Alert“ nutzt, kann sich täglich eine Zusammenfassung aller weltweit von Google erfassten Informationen zu einem selbstgewählten Suchbegriff per E-Mail zusenden lassen und sich damit zielgerichtet informieren.

Social Media und Pferdezucht
Selbstorganisation und Beteiligung schaffen wirtschaftlich eine ungeahnte Innovationsdynamik - wer darauf setzt, kann den entscheidenden Vorsprung vor der Konkurrenz erzielen. Hiervon kann ebenso Pferdesport und -zucht profitieren. Wer sich einmal genau im Internet umschaut, stellt schnell fest, dass Reiter und Pferdezüchter eine sehr große Affinität zum Internet besitzen. Hiervon zeugen Soziale Netzwerke, wie beispielsweise „wir-lieben-pferde.de“ der FN zum Austausch über alle Belange von Reit und Zucht, über Pferdecommunities bei Facebook bis hin zu unzähligen Auktions- und Verkaufsvideos bei Youtube. Wer dort beispielsweise nach dem Begriff „Pferd“ sucht, findet mehr als 32.000 Suchtreffer. Dort präsentierte Pferdevideos erzielen im Regelfall mehrere tausend Klicks. Wer diese Videos wiederum mittels Facebook einer breiteren Community zur Verfügung stellt, kann ganz einfach noch mehr Aufmerksamkeit erzielen.

Pferdefreunde erreichen damit mittels Web 2.0 ebenso weltweit neue Kundenkreise wie Sportartikelhersteller oder auch der Handwerksmeister von nebenan. Das Internet bietet nicht nur hinsichtlich einer zielgruppengerechten Kundenansprache und Auswertung von Marketingaktivitäten einen Wettbewerbsvorteil für Züchter, sondern kann ebenso das Dienstleistungsangebot und die Servicequalität in den Verbänden verbessern, denn: Warum sollte derjenige, der zu Hause seine Bankgeschäfte mittels Online-Banking erledigt, oder Bücher über das Internet bestellt, nicht auch daran interessiert sein, Zuchtmeldungen oder Turnierergebnisse online zu übermitteln, oder Abstammungsnachweise im Internet abzurufen? Hier können Zuchtverbände zukünftig eine zentrale Rolle spielen und Züchtern wertvolle Impulse für die eigenen Web 2.0-Aktivitäten geben.

Mit Strategie zum Erfolg
Was im Web 2.0 zählt ist Authentizität und Aktualität sowie die Wahl des richtigen Dienstes. Strategische Überlegungen und professionelles Vorgehen sind für erfolgreiche Internetaktivitäten ebenso unumgänglich wie Geduld. Denn eine Community entsteht nicht per Mausklick oder über Nacht, sondern wächst. Ein guter Einstieg ist es, zunächst einmal im Internet zuzuhören. Ebenso wie sich die Seele des Pferdes sich nur demjenigen äußert, der sie sucht, ist derjenige erfolgreich, der zunächst „ersurft“, was die eigene Zielgruppe will und die Konkurrenz schon macht. So fällt es leichter eigene Ziele zu definieren und die passenden Instrumente auszuwählen.

Auch wenn es viele Dienste kostenlos zur Nutzung gibt, entsteht beim Einsatz von Web 2.0 Aufwand. Die Pflege einer Online-Community macht man nicht mit links, sondern muss Zeit investieren. Neben Einsatz ist aber auch Fachwissen gefragt, um letztlich auf das richtige Pferd zu setzen. Es bietet sich an, Aktivitäten mit einem Partner zu entwickeln und einzuführen, bis man selbst fit im Umgang mit dem neuen Marketinginstrument ist.

Der Hannoveraner Verband selbst hat die Wichtigkeit des Internets erkannt und entwickelt gemeinsam mit dem Institut für E-Business an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wolfenbüttel eine Strategie zur Integration von Web 2.0. Hierzu soll das Internetangebot weiter ausgebaut, bestehende Dienste enger verzahnt und sinnvoll ergänzt werden. Zukünftig profitieren somit die Mitglieder des Verbandes durch neue Serviceleistungen per Mausklick.

Fragen Infobox:

Frage 1:
Ein Züchter möchte seinen Betrieb im Internet darstellen. Ist dazu eine eigene Homepage notwendig?

Die eigene Homepage ist eine gute Ausgangsbasis. Wichtige Kriterien sind Benutzerfreundlichkeit, ansprechendes Design und der Einsatz moderner Technik. Wer heute eine Webseite hat, der öffnet sich direkt dem Weltmarkt. Deswegen sollte diese mehrsprachig angelegt werden, um die Verkaufschancen um ein Vielfaches zu erhöhen.

Frage 2:
Wer erstellt "pferdegerechte" Seite und Inhalte. Können Inhalte selbst gepflegt werden oder müssen dazu immer entsprechende Anbieter hinzugezogen werden.


Bei Entwicklung der Homepage ist darauf zu achten, dass ein sogenanntes Content-Management-System eingesetzt wird. Dieses ermöglicht die redaktionelle Pflege der kompletten Homepage ohne Programmierkenntnisse und hilft Kosten zu sparen. Es hilft auch, sich einmal im Internet umzuschauen, was andere anbieten. Es wichtig, professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen und die Homepage erstellen zu lassen – sie ist die virtuelle Visitenkarte Ihres Betriebes und für jedermann sichtbar.

Frage 3:
Wie werden andere am besten darauf aufmerksam?


Am wichtigsten ist die Präsenz bei der Suchmaschine Google. Eine moderne Homepage ist so programmiert, dass es Google leicht fällt, die Inhalte zu durchsuchen. Es ist wichtig, dass man auch die Inhalte so ausgestaltet, dass die Suchwörter - unter denen man gefunden werden möchte - häufig in den Inhalten der Homepage gebraucht werden. Wer zusätzlich bei Facebook ist, oder Videos bei Youtube einstellt, erhöht seine Chancen bei Google gut platziert zu werden. Ein kompetenter Partner kann auch hier wertvolle Hilfe leisten und unnötige Fehler werden vermieden.

Quelle: Der Hannoveraner - Ausgabe September 2011, S.46ff.

 

 

Interkommunal vernetzt: Wie E-Government den ländlichen Raum stärkt

Pilotprojekt im Landkreis Wolfenbüttel erprobt den interkommunalen Einsatz von E-Government

Electronic Government oder kurz E-Government darf auch in den Kommunalverwaltungen als fester Begriff der Verwaltungsmodernisierung angesehen werden. Gerade von kleineren Städten, Gemeinden und Samtgemeinden gehen wichtige Reformimpulse aus, weil auf der kommunalen Ebene der überwiegende Teil der Verwaltungsaufgaben angesiedelt ist, die es als bürgernahe Dienstleistungen vor Ort zu erfüllen gilt. E-Government ist deshalb nach wie vor eine enorme Chance für den ländlichen Raum. Wenn sich eine gewisse Ernüchterung bei diesem Reformthema eingestellt hat, mag eine Erklärung darin liegen, dass es in vielen ländlich geprägten Räumen Niedersachsens noch immer an der erforderlichen Breitbandversorgung fehlt. Der zentrale Grund für das Stocken der E-Government-Reform dürfte aber in der fehlenden Prozessorientierung zu sehen sein: Bei der Umsetzung von E-Government findet eine prozessorientierte Realisierung medienbruchfreier Verwaltungsprozesse oft nicht statt. Die strategischen Potentiale elektronischer Verwaltung bleiben auf der Strecke, weil sich „Strategien“ zum Beispiel auf die bloße Bereitstellung von Formularen per Download oder reine Softwarelösungen beschränken.

E-Government kann bei einer medienbruchfreien Digitalisierung von Verwaltungsprozessen die Transaktionskosten in den öffentlichen Verwaltungen jedoch erheblich senken. Durchlaufen administrative Prozesse papierbasiert unterschiedliche Verwaltungshierarchien, beansprucht dies selbst in kleinen Verwaltungen die Personalressourcen erheblich und verlangsamt so die Bearbeitung von Verwaltungsvorgängen. Gerade zwischen den Behörden kann durch eine virtuelle Vernetzung ein wesentlich schonenderer Ressourceneinsatz erreicht werden.

Virtuelle Vernetzung ist auch das Stichwort, um das interkommunale Projekt zu beschreiben, zu dem sich – unterstützt
durch das Land Niedersachsen im Rahmen der Landesförderung der interkommunalen Zusammenarbeit – neun Kommunen im Landkreis Wolfenbüttel zusammengefunden haben. Es trägt den Namen „Eine interkommunale E-Government-Architektur für die kreisangehörigen Gemeinden des Landkreises Wolfenbüttel“ (kurz: „Interkommunale E-Government-Architektur“) und zielt durch die Verbindung der Elemente E-Government und interkommunale Kooperation auf eine Stärkung der elektronischen Kommunikation bei der Aufgabenerledigung im ländlichen Raum.

Die Samtgemeinden Asse, Baddeckenstedt, Oderwald, Schladen, Schöppenstedt und Sickte sowie die Gemeinde Cremlingen, die Stadt Wolfenbüttel und der Landkreis vernetzen sich interkommunal auf der Basis einer E-Government-Plattform. Diese wird vom Institut für E-Business (Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel) entwickelt und wird es künftig ermöglichen, dass Verwaltungsdienstleistungen – etwa im Wege der Amtshilfe – zwischen den kreisangehörigen Gemeinden medienbruchfrei und digitalisiert ausgetauscht werden können. So wird mit der Plattform eine horizontale (kreisangehörige Gemeinden untereinander) sowie vertikale (Kreis – kreisangehöriger Raum) Vernetzung erreicht, die keineswegs auf das Gebiet des Landkreises Wolfenbüttel beschränkt ist. Eine virtuelle Vernetzung wird die Frage der Zuordnung einer bestimmten Verwaltungsaufgabe an einen bestimmten Verwaltungsträger ohnehin in den Hintergrund treten lassen. Die E-Government-Plattform soll vielmehr landesweit als „best practice“ für den Einsatz medienbruchfreier E-Government-Strategien dienen. Die interkommunale Vernetzung erfordert es zudem, dass der ländliche Raum verstärkt auf eine gemeinsame Aufgabenwahrnehmung im Bereich standardisierbarer Verwaltungsdienstleistungen (Shared Services) setzt. Vor diesem Hintergrund wurde als erstes Modul der E-Government-Plattform der Prozess der Verwaltungsvollstreckung ausgewählt – eine Aufgabe, die allen Projektbeteiligten gleichermaßen obliegt, und bei der Effizienzgewinne durch gemeinsame Aufgabenwahrnehmung und vollständige Digitalisierung leicht zu erreichen sind. Die folgende Übersicht zeigt, wie der Prozess der Verwaltungsvollstreckung durch den Einsatz von E-Government „verschlankt“ wird.

Dem Modul Verwaltungsvollstreckung werden weitere interkommunale Anwendungen folgen. Das Projekt wird im Rahmen der diesjährigen E-Government-Days vorgestellt, die am 5. und 6. November in den Samtgemeinden Schladen und Sickte (Landkreis Wolfenbüttel) stattfinden.

Anmeldungen und Informationen unter: http://www.egovernment-days.de

Der digitalisierte Prozess der Verwaltungsvollstreckung im Überblick:


  • Es wird eine geschützte Internetplattform errichtet, in die der Kassenleiter der ersuchenden Gemeinde
    bzw. Behörde die Daten des Schuldners eintragen kann.

  • Es wird eine Prüfungsprozedur erstellt, durch die das System anhand der Postleitzahl die Adresse des betroffenen Schuldners identifiziert.

  • Über ein Work-Flow wird der Mitarbeiter über den Vorgang automatisch informiert.

  • Die ggf. erforderlichen Bescheide und Unterlagen werden im PDF-Format generiert und zeitgleich an den Vollstreckungsbeamten gesendet.

  • Der Vollstreckungsbeamte kann beim Besuch des Schuldners den Vorgang bzw. das Ergebnis elektronisch (per Laptop) aufnehmen.

  • Der Kassenleiter der ersuchenden Gemeinde bzw. Behörde wird über das Ergebnis des Vollstreckungsvorgangs sofort automatisch informiert.

  • Die Vorgänge werden elektronisch abgelegt und können jederzeit abgerufen werden.

  • Der Kassenleiter kann den Bearbeitungsstatus des Vorgangs jederzeit elektronisch verfolgen.



von Professor Dr. Reza Asghari, Andreas Memmert, Dr. Arne Pautsch*

*Professor Dr. Reza Asghari ist Leiter des Instituts für E-Business an der Fachhochschule Braunschweig/ Wolfenbüttel. Andreas Memmert ist Samtgemeindebürgermeister der Samtgemeinde Schladen, Dr. Arne Pautsch Samtgemeindebürgermeister der Samtgemeinde Sickte.

Quelle: Die Niedersächsische Gemeinde - Zeitschrift für Ratsmitglieder in den Städten, Gemeinden und Samtgemeinden - Ausgabe 5/2008 - 1.11.2008 - S.146/147


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"DIE ZUKUNFT IST HYBRIDE"

WER DAS INTERNET NICHT NUR ALS CASHCOW SIEHT, SONDERN ALS GESELLSCHAFTLICHE REVOLUTION, DER WIRD FRÜHER ODER SPÄTER AUF PROF. REZA ASGHARI STOSSEN. IM E-COMMERCE MAGAZIN SPRICHT ER ÜBER DIE ZUKUNFT DER WIRTSCHAFT IN DER INFORMATIONSGESELLSCHAFT.

„Das Internet hat eine substanzielle Änderung der Strukturen der Wirtschaft und Ge- sellschaft bewirkt. Im Zentrum steht eine Transfor- mation vom alten Zustand hinein in eine moderne Welt."

VON DUNJA KOELWEL

„Das Internet hat eine substanzielle Änderung der Strukturen der Wirtschaft und Gesellschaft bewirkt. Im Zentrum steht eine Transformation vom alten Zustand hinein in eine moderne Welt."

ECM: Wie hat das Internet die Strukturen in den Unternehmen verändert?

Asghari: Das Internet hat die Unternehmenstätigkeit revolutioniert. Fast alle Bereiche des Unternehmens stehen heute unter dem Einfluss dieser Technologie. Mit dem Internet gewinnen Unternehmen neue Chancen. Sie können neue Kunden akquirieren, ihre Dienstleistungen verbessern und ihre internen Prozesskosten senken. Darüber hinaus ist eine Generation von neuen Unternehmen entstanden, die nur aufgrund der Webtechnologie nicht existieren würde. Große Unternehmen wie Google, Yahoo und E-Bay wären nicht einmal geboren, wenn diese Infrastruktur nicht vorhanden gewesen wäre.

ECM: Manche Auguren meinen, dass dem Internet bald ein gewaltiger Schritt bevorstehen wird, nämlich dass es sich in ein Internet für den Bereich B2B/B2C und eines für C2C auseinanderentwickeln wird. Was halten Sie davon?


Asghari: Das Internet wird sich weiterentwickeln. In Zukunft werden wir es noch mehr in unser Leben integrieren. Alle drei Bereiche werden in den nächsten Jahren weiter wachsen. Gleichzeitig wird C2C einen Sprung nach vorn schaffen, da das Internet neue Interaktionsmöglichkeiten unter den Kunden bietet.

ECM: Nach wie vor werden Preis- und Erlösmodelle im Internet und deren Umsetzung und Marktchancen diskutiert. Welches Modell hat Ihrer Ansicht nach Aussicht auf Erfolg und weswegen?

Asghari: Die kostenfreie Software wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Das soll nicht bedeuten, dass IT-Unternehmen keine Erlöse haben werden. Das Erlösmodell wird zunehmend auf „Dienstleistungsverkauf und weniger auf Lizenzgebühren basieren. Google macht uns vor: die Software wird allen lizenzfrei zur Verfügung gestellt. Für Dienstleistungen wie Google AdWords oder Anzeigen in Google Maps müssen die Kunden bezahlen. Spezielle Software mit einem eingeschränkten Anwendungsbereich werden jedoch weiterhin nach Lizenzmodell vermarktet.

ECM: Was halten Sie von dem Thema der Personalisierung im Internet?

Asghari: Die Personalisierung ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Kundenbeziehung und erforderlich, um nachhaltig auf dem Markt erfolgreich zu sein. One-to-One-Marketing ist inzwischen die dominierende Form des Marketing. Hier ist die Marketingrendite ziemlich hoch. Eine Fülle von neuen Anwendungen basiert darauf, dass die Nutzer aus der Anonymität herauskommen müssen, um von den Netzwerkeffekten profitieren zu können.

ECM: Das Thema Personalisierung korrespondiert auch immer stark mit dem Bereich Datenschutz. Glauben Sie, dass das Thema Datenschutz auf Dauer nicht mehr relevant ist, weil die nachwachsende Generation durch die Web-2.0-Technologien völlig die Scheu vor der Preisgabe persönlicher Daten verloren hat - man denke an YouTube, Blogs und Xing?

Asghari: Hier sind zwei Themen auseinanderzuhalten. Das erste Thema ist, dass die Internutzer nicht übermäßig vorsichtig sein sollen, um Geschäftstransaktionen im Internet durchzuführen. Der Internetkauf hat viele Vorteile. Wer darauf verzichtet, hat hohe Opportunitätskosten. In Deutschland herrscht jedoch ein Internetkonservatismus seitens vieler Verbraucher, der die gesamte Entwicklung des E-Commerce bremst. Auf der anderen Seite muss man das Thema Datenschutz sehr ernst nehmen. Der Staat und Geldinstitute müssen mehr tun, um die Sicherheit der Bürger und Kunden auch im Internet zu gewährleisten. Wir können uns nicht erlauben, wegen krimineller Kräfte, die meist aus dem Ausland versuchen, die Daten auszuspähen, unsere Wirtschaftsentwicklung zu stoppen. Die Sicherheitsstandards der Banken müssen optimiert werden und der Staat soll internationale Vereinbarungen zur Bekämpfung der digitalen Kriminalität erzielen. Dieses Feld muss von allen Industriestaaten gemeinsam bearbeitet werden. Das Internet kennt keine nationalen Grenzen.

ECM: Welche neuen Nutzungsformen werden sich Ihrer Auffassung nach im mobilen Internet durchsetzen?

Asghari: Betrachtet man M-Business als eine neue Epoche des Internetzeitalters, kann sie nicht beschränkt werden auf wenige Anwendungsbereiche. Langfristig wird alles, was heute auf den stationären PCs möglich ist, auch bei mobilen Geräten möglich sein. Das kabellose breitbandige Internet wird dem M-Business einen neuen Schub geben. Die Metropolen der Welt haben begonnen, flächendeckend W-LAN-Net-ze zur Verfügung zu stellen. Das bedeutet, dass Handys sich zu leistungsstarken Computern entwickeln werden, was heute schon bei MDA oder iPhone der Fall ist.

ECM: Im Zusammenhang mit Internet-Ökonomie wird oft der Begriff „hybride" genannt. Meist im Zusammenhang mit Problemen und Chancen des Neben- und Miteinanders dialektischer Systeme, etwa Old versus New Economy oder private Selbstregulierung versus staatliche Regulierung. Was ist Ihrer Ansicht nach die größte Herausforderung dieser Hybridität?

Asghari: Das Internet hat eine substanzielle Änderung der Strukturen der Wirtschaft und Gesellschaft bewirkt. Im Zentrum dieser Änderung steht eine Transformation vom alten Zustand hinein in die moderne Internetwelt, vom Industrie- zum Informationszeitalter. In diesem Prozess werden wir in einem dialektischen System weiterleben, bis die Internetepoche durch eine andere ersetzt wird. Eines ist aber wichtig: die Informationsgesellschaft hat ein hohes Potenzial, um produktiver, gewinnbringender und menschlicher sein zu können als die anderen Gesellschaften.


WWW.E-COMMERCE-MAGAZIN.DE

05/08 e-commerce MAGAZIN
OPTIMIZE VOUR STRATEGY INTERVIEW
S. 58 und 59

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Evaluierung kommunaler Internetangebote in Südostniedersachen

Gemeinsam mit 15 Studierenden des Fachbereichs Recht hat Prof. Dr. Reza Asghari die Internetseiten von 75 Kommunen im ehemaligen Regierungsbezirk Braunschweig untersucht. Genau unter die Lupe genommen haben die Studierenden dabei die Bereiche Formulare, Podcast (Videofilme), Content Management Systeme,Aktualität und die Benutzerführung. 100 Punkte konnten in jeder Kategorie erreicht werden.

Die Daten werden nach Aufbereitung hier für Sie als Download zur Verfügung gestellt.

Bewertung Lebenslagen und Menüführung als PDF-Datei (22KB)
Bewertung Formularservice und Podcast als PDF-Datei (14KB)
 

 

Online-Communities: Charaktereigenschaften von Web 2.0

PER ASPERA AD ASTRA

OBWOHL DIE ELEMENTE, DIE UNTER WEB 2.0 SUBSUMIERT WERDEN, NICHT NEU SIND, STELLEN SIE IN IHRER GESAMTHEIT EIN NEUES BILD DAR. DAS VERDIENT EINE BESONDERE CHARAKTERISIERUNG.

Von Prof. Dr. Reza Asghari, in eCommerce-Magazin Ausgabe 03/2008, S.33 ff.


Web 2.0 ist kein Festzustand einer Anwendung. Es handelt sich auch nicht um eine neue Software. Es ist die Beschreibung einer dynamischen Entwicklung der Internetwelt, in der die Beziehungen und Prozesse zwischen Unternehmen, Kunden, Behörden und Bürgern in vielschichtiger Weise beeinflusst und verändert werden. Weblogs, soziale Netzwerke, flickr, YouTube und SecondLife sind Beispiele für Web 2.0.

> YOUTUBE IST KOMMUNIKATIV

Tim O'Reilly, Urheber von Web 2.0, hebt drei Aspekte bei der Beschreibung dieser Entwicklung hervor. Das wichtigste Merkmal von Web 2.0 ist seine partizipative Eigenschaft. User haben die Möglichkeit, nicht nur Inhalte zu konsumieren. sondern auch zu produzieren.
Jeder wird zum Autor und kann im World Wide Web publizieren. Nie zuvor haben die Menschen die Möglichkeit gehabt, so über geografische Grenzen hinweg kommunikative Netzwerke aufzubauen. Dadurch wird die zweite Eigenschaft von Web 2.0 charakterisiert. Das Internet stellt nicht nur ein Netzwerk dar, sondern auch eine Kommunikationsbasis, auf der viele Webanwendungen laufen und individuell angepasst werden können. iGoogle ist das typische Beispiel dieses Merkmals. Der dritte Aspekt von Web 2.0 beinhaltet, dass nicht mehr der Verkauf von Softwarelizenzen im Vordergrund steht, sondern das Angebot von Dienstleistungen. Web 2.0 funktioniert vorrangig auf der Basis von Open-Source-Software. Nicht die Software wird verkauft, sondern die daraus entstandene Dienstleistung. YouTube ist ein Beispiel für das kommunikative, weltumfassende Netzwerk von Web 2.0. Millionen von Usern können hierbei eigene Filmbeiträge produzieren und diese ins Netz stellen. YouTube ist inzwischen eine weltweit beachtete Plattform, deren gesellschaftliche, politische und ökonomische Bedeutung täglich zunimmt. Deshalb findet YouTube bei dem Internetgiganten und Web-2.0-Führer Google große Sympathie, die zur Übernahme von YouTube im Jahr 2006 geführt hat. Im Juni 2007 wurde die 100-Millionen-Grenze von Film-Downloads pro Tag überschritten. Im Monat Juni 2007 wurden 2,5 Milliarden Mal Filme heruntergeladen.

Web 2.0 ist kein Festzustand, sondern eine mobile, bewegliche Weiterentwicklung des Internets. Wer Web 2.0 verstehen will, darf nicht von gefestigten Strukturen ausgehen.


Die partizipative Eigenschaft von YouTube sorgt dafür, dass ein Schneeballsystem von neuen Inhalten entstanden ist, wodurch die Plattform immer mehr an Bedeutung gewinnt. YouTube mischt sich zum Beispiel auch in den Wahlkampf um die Präsidentschaft in den USA ein und stellt sein eigenes Programm für das Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar 2008 auf. YouTube hat hierzu einen Videodialog, „The Davos Question", gestartet, der an die CNN YouTube Presidential Debates in den USA anknüpfte. Beim Weltwirtschaftsforum (WEF) im Januar 2008 in Davos haben Politiker und Manager die Beiträge der YouTube-Blogger diskutiert. Thema in Davos war „Die Kraft der gemeinsamen Innovation".


> WEB 2.0 UND E-DEMOCRACY

Web 2.0 ermöglicht eine neue Art der Kommunikation unter den Menschen. Sie können politische Themen außerhalb der bestehenden Parteiorganisationen diskutieren und Entscheidungsprozesse anstoßen. Weblogs sind Beispiele dafür, wie Bürger politische Ereignisse und Probleme ernstnehmen und kontrovers diskutieren. Die Diskussionsforen und Weblogs um die Zeitschriften Spiegel und Stern lassen eine Zunahme des politischen Interesses seitens der Bürger erkennen. Al Gore und Hilary Clinton sind Weblog-Betreiber, bei denen die Bürger direkten Kontakt und Austausch mit den Politikern und anderen Diskutanten suchen. Beachtenswert ist der Weblog des iranischen Geistlichen Hogatoleslam Abtahi, der täglich sein Tagebuch im Internet pflegt. Zehntausende junger Iraner besuchen regelmäßig sein Weblog und kommentieren seine Notizen, die die aktuellen Geschehnisse im Iran aus seiner Sicht beleuchten. Trotz einer repressiven Informationspolitik der derzeitigen Regierung stellt das Weblog eine neue Form der politischen Kommunikation im Iran dar. Die kommunikative Eigenschaft des Internets hat weiter bereits zur Entstehung einer neuen Partei in Deutschland beigetragen. Ohne das Internet und dessen kommunikativen Elemente wäre der Prozess der Gründung einer Partei wie der WSAG innerhalb von sechs Monaten nicht möglich gewesen. Die Kritiker der Harzreformen haben sich im Internet getroffen, ausgetauscht und bereits das Programm und die Satzung ihrer neuen Partei diskutiert. Die demokratischen Parteien in Deutschland könnten die Möglichkeiten des Web 2.0 für die politische Kommunikation viel stärker nutzen als das bislang der Fall gewesen ist. Dynamische Netzwerke, die von den Netzteilnehmern aktiv getragen werden, sind ein wichtiger Bestandteil von Web 2.0. Das soziale Netzwerk ,,mySpace" ist zu dem wichtigsten Kontaktnetzwerk in den USA aufgestiegen. 80 Prozent aller US-Teenies pflegen hier ihre Kontakte. 50 Prozent der Bürger in New York und LA sind Mitglied bei mySpace. Xing ist das erfolgreichste deut¬sche Netzwerk, bei dem 2 Millionen Profile von Geschäftsleuten hinterlegt sind.

> SOZIALES WEB: MYSPACE

Das Netzwerk verbindet nicht nur Geschäftsleute, es gilt als Topadresse un¬ter den Mitarbeitern der lT-Branche und Akademikern. Das deutsche Netzwerk operiert inzwischen international und existiert in 16 Ländern. 260.000 zahlende Mitglieder haben Xing zu einer der profitabelsten Web-2.0-Lösungen gemacht. Der Börsengang des Web-2.0-Unternehmen war bislang ein großer Erfolg. Seit Mai 2007 betreibt Xing seine eigene Jobbörse, die von den Mitgliedern genutzt werden kann. Xing wird inzwischen für die Geschäftsanbahnung und Beschaffung von Informationen über Unternehmen intensiv genutzt. Firmenkontakte, die Suche nach Geschäftspartnern oder eine Diskussion mit Kollegen der gleichen Branche sind mühelos zu organisieren. Was früher viel Zeit und Geld gekostet hat, wird heute mit einigen Mausklicks erledigt. Keine andere Enzyklopädie der Welt ist inzwischen so reich an Inhalten wie Wikipedia. Einst als ein einfaches Content-Management-System programmiert, ist es heute das dynamischste Wissensportal der Welt. Allein in deutscher Sprache werden 700.000 Schlagwörter ausführlich erklärt. Die kostenlose Enzyklopädie hat im Vergleich zum kostenpflichtigen Brockhaus

in Korrektheit, Vollständigkeit und Aktualität besser abgeschnitten. Ein Heer von freiwilligen Mitarbeitern sorgt dafür, dass der Wissensstand der Wikipedia quantitativ und qualitativ fortlaufend verbessert wird. In englischer Sprache existieren inzwischen mehr als zwei Millionen Artikel. Das Onlinelexikon gibt es in allen erdenklichen Sprachen der Welt. Wikipedia zählt zu den zehn wichtigsten Webseiten der Welt. Die Organisation von Wikipedia zeigt, dass horizontale Strukturen in der Informationsgesellschaft eher in der Lage sind, Lenkungsmechanismen aufzustellen und diese zu praktizieren. Das hebt der Gründer von Wikipedia, Jimmy Wales, hervor. Die Arbeitsweise der Wikipedia-Gemeinde lässt die künftigen Führungsmechanismen der menschlichen Gesellschaft erahnen. Das Ziel der elektronischen Enzyklopädie ist es, nicht nur in den Sprachen der lndustrieländer reichhaltige Informationen bereitzustellen, sondern auch in den Sprachen der Entwicklungsländer. Damit kann die Wikipedia zu einem bedeutenden Entwicklungshilfe-Instrument aufsteigen, wodurch der Wissenstransfer einfacher vonstatten gehen kann.

Google hat Web 2.0 nachhaltig geprägt. In keinem anderen Unternehmen können typische Elemente von Web 2.0 aufgezeigt und analysiert werden wie bei Google. Google ist keine Software. Sie ist ein Bündel von Dienstleistungen. Aus gehend von der Informationssuche, die im Dschungel der Informationsgesellschaft eine immer wichtiger werdende Rolle spielt, hat Google schrittweise zusätzliche Dienste entwickelt, die es zur einflussreichsten Webseite der Welt gemacht haben. Die offenen Schnittstellen von Google-Anwendungen führen dazu, dass sie leicht in andere Anwendungen integriert werden können. Google-Suchfunktion, GoogleMaps und GoogleNews sind einige Beispiele. Google ist gleichzeitig eine Plattform für die Vielzahl von gemeinschaftlichen Kommunikationsnetzwerken wie Google-Blog, Google-Picasa, GoogleTalk und YouTube. Ab Herbst 2008 soll ein offenes Betriebssystem für die Handys von Google angeboten werden, worauf mobile Anwendungen aufgebaut werden. Hierzu hat Google bereits 2007 Verträge mit 25 führenden Telekommunikationsunternehmen der Welt abgeschlossen. GoogleMobile wird das Gesicht der Informationsgesellschaft noch einmal verändern. Die mobile Verfügbarkeit von Anwendungen, darunter Web2.0-Lösungen, wird dann eine Selbstverständlichkeit sein.

Eine Vielzahl von Start-up-Unternehmen haben das Umfeld von Web 2.0 als Basis der Unternehmenstätigkeit entdeckt. Xing erfüllt nicht nur einen sozialen Zweck, es ist ein erfolgreiches Unternehmen, das stark expandiert. Ein Braunschweiger Start-up-Unternehmen, lockr, hat dafür gesorgt, dass durch eine Verbindung der Fotokamera mit GPS-Daten das fotografierte Objekt auf dem Google-Map gekennzeichnet werden kann. Mit einer Schnittstelle zu Wikipedia werden dann Informationen dem Objekt zugefügt. Dem Start-Up Unternehmen ist gelungen, Nokia als Partner zu gewinnen, das ab 2008 Handys mit der Software aus Braunschweig herstellen will. Ein erfolgreiches Web-2.0-Geschäftsmodell wurde auch zum Beispiel von last.fm entwickelt. Hier kann ein personalisiertes Radio im Internet erstellt werden, das genau das sendet, was sich der Kunde wünscht. Derzeit sind zwischen 15 und 20 Millionen Internet-Nutzer beim Radioportal registriert. Das einzigartige Radio ist nicht nur ein Musiksender, sondern auch ein soziales Netzwerk von Musikinteressenten. Im Mai 2007 wurde das Unternehmen von dem US-Medienkonzern CBS für 280 Millionen US-Dollar übernommen.



Die Kernfrage eines auf Web 2.0 basierten Geschäftsmodells ist, inwiefern die Nutzer aktiv am Portal partizipieren. Der Mehrwert der Anwendung nimmt mit der Zunahme der Besucher und der registrierten Nutzer zu. Die Grundidee des Start-Up-Unternehmens muss ein gemeinschaftliches Bedürfnis beinhalten, das dann durch die virtuelle Gemeinde befriedigt wird. Die Kundenbindung und Verfestigung von Kundenbeziehungen bekommen im Lichte von Web 2.0 damit eine neue Dimension. Wikis werden von Unternehmen eingesetzt, um das Wissensmanagement um die Produkte zu organisieren. Die Kunden, Lieferanten und Geschäftspartner bereichern solche Wissensportale.

Weblogs sind geeignete Instrumente, um die Kunden in Gemeinden um das Unternehmen zu binden und die Kommunikation unter den Kunden zu fördern. Ferner können die anwendungsspezifischen Fragen und Probleme von den Kunden diskutiert werden. Weblogs stellen also einerseits sehr nützliche Informationen für die Kunden und Unternehmen selbst zur Verfügung und stärken andererseits wiederum die Kundenbindung. Solche Weblogs müssen jedoch von Unternehmen sorgfältig moderiert werden.

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Freie Mittel - Open Source im öffentlichen Dienst

Freie Mittel - Opensource im öffentlichen Dienst

Insbesondere für kleinere Kommunen ist der Einsatz von Fachanwendungen auf Open-Source-Basis finanziell interessant. Sie erhalten neue Software-Versionen, ohne hohe Lizenzgebühren zu entrichten. Beispiele aus zwei niedersächsischen Gemeinden.

Ein innovativer Ansatz zur Implementierung von preiswerten E-Government-Lösungen ist der Einsatz Freier Software. Die Open-Source-Lösungen sind lizenzfreie Anwendungen, welche die Verwaltungskasse entlasten können. Open Source heißt offener Quellcode und bedeutet, dass der Programmcode einer solchen Software offen ist und von jedem Informatiker weiterentwickelt werden kann. Was vor 25 Jahren mit einigen Programmierern begann, ist inzwischen eine weltweite Bewegung geworden.

Durch die Offenlegung des Quellcodes ist es möglich, genau nachzuvollziehen, was eine Software tatsächlich leistet und inwieweit die Sicherheitsanforderungen erfüllt werden. Aus diesem Grund setzen beispielsweise das Bundesinnenministerium und der Bundestag seit Jahren Open Source im Bereich der Server-Lösung ein. Open-Source-Lösungen bieten zusätzlich den Vorteil, dass sie von zumeist internationalen Informatikergemeinden weiterentwickelt werden. Damit erhalten die Nutzer immer neue Software-Versionen, ohne dabei hohe Lizenzgebühren entrichten zu müssen.

Gerade diese Eigenschaft von Open-Source-Lösungen macht sie für mittlere und kleine Kommunen sehr attraktiv. Während lange Zeit nur das Betriebssystem Linux die nahezu einzig verbreitete Open-Source-Lösung war, gibt es inzwischen eine Reihe solcher Lösungen, die bei der Realisierung von unterschiedlichen Funktionen und Fachanwendungen im öffentlichen Dienst eingesetzt werden können. Ein interessantes Beispiel für den Einsatz von Open Source Software im öffentlichen Dienst ist das Content-Management-System ZMS, das erfolgreich bei der Stadt Schöningen in Niedersachsen zum Einsatz kommt. Der modulare Aufbau der Lösung erlaubt die einfache Erweiterung des Stadtportals um zusätzliche Funktionen. Darüber hinaus ist die Administrations- und Redaktionsebene so benutzerfreundlich, dass die Verwaltungsmitarbeiter in kurzer Zeit als Portalredakteure der Kommune tätig werden können.

Die Samtgemeinde Schladen, die sich mit großem Engagement für die E-Government-Umstellung einsetzt, hat sich ebenfalls für einen Wechsel von einem kommerziellen Content-Management-System zu ei¬ner Open-Source-Lösung entschieden. Mit der Einführung von ZMS konnte die Samtgemeinde für alle eingeschlossenen Gemeinden ein gemeinsames Portal zur Verfügung stellen. Von dort aus können nicht nur Informationen und Dokumente abgerufen werden, sondern auch Verwaltungsprozesse von Bürgern angestoßen werden, die dann voll¬ständig elektronisch abgewickelt werden. Die Samtgemeinde Schladen hat beispielhaft den Prozess der Kindergartenanmeldung medienbruchfrei digitalisiert. Auf der Basis von Open Source verfügen alle Kindergärten der Samtgemeinde über ein gemeinsames Kindergartenportal. Nach einer kurzen Schulung waren die Erzieherinnen in der Lage, ihr Portal selbst zu bedienen. Sie geben neue Termine für die Eltern direkt im Internet bekannt und stellen die Fotos und Berichte von Veranstaltungen selbst ins Internet.

Im nächsten Schritt wird die Stadt Schöningen ab Juni 2007 eine Open Source Software für die interne Verwaltungskommunikation einführen. Mithilfe von eGroupWare werden die Verwaltungsmitarbeiter in der Lage sein, ihre E-Mails von überall im Browser abzurufen und sie zu bearbeiten. Darüber hinaus wird der Bürgermeister die Möglichkeit erhalten, die Termine mit seinen Amtsleitern direkt im Web-Kalender festzulegen. Auch die wichtigen Dokumente, die von mehreren Mitarbeitern bearbeitet werden, können direkt in eGroupWare abgelegt und gemeinsam bearbeitet werden. Darüber hinaus können in eGroupWare die Aufgaben direkt im Intranet definiert und vergeben werden. Das webbasierte Projekt-Management-Tool ermöglicht es, die Verwaltung wie ein modernes Unternehmen zu führen.

Die dezentralen Stellen der kommunalen Verwaltung werden hierdurch eine neue engere Bindung zu der Gesamtorganisation erhalten. Ein solches System erhöht die Effizienz der Verwaltung deutlich. Während die Stadt für eine vergleichbare kommerzielle Software etliche Mittel pro User und Jahr verfügbar machen müsste, können durch die Open-Source-Lösung erhebliche Summen an Lizenzgebühren gespart werden.

Das Institut für E-Business an der FH Braunschweig/Wolfenbüttel hat eine Vielzahl von Open-Source-Lö-sungen getestet und sie erfolgreich eingesetzt. Zusätzlich zum Content-Management-System ZMS und eGroupWare hat sich das E-Learning-System Moodle bewährt. Die lizenzfreie Open-Source-Lösung ist für das internetgesteuerte Lernen sehr geeignet. Das System fördert eine interaktive Lernbeziehung und stellt mehrere Funktionen zum Selbstlernen zur Verfügung. So wird jeder Begriff durch ein Web-Glossar per Mausklick erklärt und die Tests können online durchgeführt werden. Moodle wird in Südostniedersachsen als Instrument der kommunalen Wirtschaftsförderung zur Vermittlung des erforderlichen kaufmännischen Know-hows für Existenzgründer eingesetzt.

Reza Asghari ist Professor für Internet-Ökonomie und E-Business an der FH Braunschweig/Wolfenbüttel und leitet das Institut für E-Business.

Das Kindergartenportal der Samtgemeinde Schladen
Der Artikel der Kommune21 als PDF-Download (251KB)
Infos über das frei verfügbare Programm eGroupWare
 

 

E-Government in der Praxis

Leitfaden für Politik und Verwaltung Reza Asghari (Hrsg.)

Mit Initiativen wie BundOnline 2005 und DeutschlandOnline betreibt die deutsche Bundesregierung eine sukzessive Digitalisierung aller Verwaltungsabläufe. Die Umsetzung eines konsequenten E-Government stellt große Anforderungen an IT-Projektleiter, Systemadministratoren und Softwareentwickler: gilt es doch, komplexes Know-how aus den Bereichen Verwaltung und Technologie zu integrieren. Die Autoren dieses Leitfadens greifen die Herausforderung auf und beleuchten in drei Themenbereichen die ökonomischen, technologischen und rechtlichen Perspektiven der Integration. Sie beschreiben nicht nur die verschiedenen Geschäftsmodelle Government-to-Citizen (G2C), Government-to-Business (G2B) und Government-to-Government (G2G), sondern arbeiten über die verschiedenen Transaktionsebenen hinweg heraus, wie ein tragfähiges Customer-Relationship-Management im E-Government verankert werden kann.

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E-Government Report 01/05

Die Zeitschrift für Recht, Wirtschaft und neue Technologien.

Die Themen der aktuellen Ausgabe:

Niedersachsens Verwaltung auf dem Weg zum eGovernment,
Dr. rer. nat. Martin Hube

Justizautomation im Zeitalter des elektronischen Rechtsverkehrs,
Dr. iur. Ralph Guise-Rübe

Neue Perspektiven der elektronischen Auftragsvergabe,
Prof. Dr. iur. Martin Müller

Dokumentation: Das neue E-Government Gesetz in Österreich

 

 

Studie: E-Business Zustand

Studie: "Der E-Business Zustand der mittelständischen Industrie- und Dienstleistungsunternehmen der Städte und Kreise Braunschweig, Wolfenbüttel und Salzgitter, Bestandsaufnahme, Probleme und Perspektiven". Die Ergebnisse dieser Studie können Sie sich kostenlos herunterladen.

Die Studie als PDF-Datei zum Download (1.6 MB)